Theoretisch heißt es, dass Yoga hauptsächlich was für Frauen ist. Praktisch war das Verhältnis in der ersten Yoga Stunde Männlein zu Weiblein 3:10 – also tatsächlich paradiesische Voraussetzungen für Männer. Kennt man(n) sonst nur vom Tanzkurs.

Also Yogakissen, Matte und Decke geschnappt und den rostigen Körper in so was ähnlichem wie Lotussitz gebogen. Gerader Rücken, aufrecht sitzen und tiefes Bauchatmen wären in dieser Haltung notwendig, so die Yoga-Lehrerin. Also atmen wir mehrmals tief ein und tief aus. Wir atmen solange tief ein und tief aus, bis ich irgendwann Bedenken um die Luftqualität im Raum bekam.

Yoga mit leerem Magen?

Beim tiefen einatmen spüre ich, dass sich in meinem Magen aktuell nichts zum verdauen befindet. Zwei Stunden vor der Yoga-Stunde sollte ich ja nichts mehr essen, stand in der schriftlichen Arbeitsanweisung. Nur, dass ich beim tief Einatmen ständig an meinen Hunger erinnert werde, verstellt mir etwas den Sinn für Entspannung. Schon jetzt beschließe ich nicht mehr hungrig und mit leerem Magen zum Yoga zu gehen. Wenigstens ein kleines Orängchen oder ein Äpfelchen darf es schon sein.

Also machen wir weiter. 12 Grundhaltungen sollen es nach der Lehre von Hr. Sivananda sein. Fangen wir mit der Ersten und gleich sehr schwierigsten Übung an – liegen. Und zwar so, dass kein einziger Muskel mehr beansprucht wird. Einfach nur liegen und an die Decke starren. Darauf achten, dass sich wirklich nichts mehr bewegt. Außer atmen wirklich gar nichts mehr. Wisst ihr wie schwer das ist, wenn im Alltag doch ständig irgendein Muskel Bewegung und Aktivität einfordert?

Kaum hab ich es geschafft wirklich ruhig auf meiner rosa Yogamatte zu liegen, kommt mit der Gedanke was eigentlich mein Nachbar macht. Also blicke ich hinüber. Nichts, er macht nichts. Liegt einfach so da und bewegt sich nicht. Überhaupt sehe ich mich am Anfang in der Yogarunde um, um zu sehen, ob sie es besser oder anders machen.
Doch je länger dieser Stunde andauerte, desto mehr konzentrierte ich mich auf mich selbst und schloss irgendwann sogar die Augen, wie es die Yoga-Lehrerin schon ein paar mal zuvor angeregt hatte. Es gab ja eh nix zu sehen. außer das Loch im rechten Socken des Nachbars. Aber auf Dauer ist auch das nicht wirklich interessant.

Die ersten Yoga-Übungen

Die nächsten Übungen waren Schulterstand, Fisch und die jeweiligen ausgleichenden „Gegen“-Übungen. Immer hatte ich die sanfte Stimme der Yoga-Lehrerin im Ohr. Manchmal so monoton, als ob eine Yoga CD laufen würde. Doch dann plötzlich, während der Ruhephase ein weich klingender Gong. Und nochmal. Dreimal insgesamt. Nur warum? Ist das Gongmeditation? Eine Gongdusche wie ich es neulich im Fernsehen gesehen habe? Vermutlich erfahre ich die Aufklärung erst in der zweiten Stunde. Dann muss ich mich dringend erkundigen warum wir Anfänger Socken tragen und der Profi offensichtlich den kalten Bodenkontakt mit nacktem Fuß sucht.

Bin ich schon erleuchtet?

Nach knapp 90 Minuten war meine erste offizielle Yoga-Session zuende und ich fühlte mich irgendwie wohl. Im Kopf, weil ich mich seit langem mal wieder auf mich konzentriert habe und mein Körper, weil ich die arg geschundene Wirbelsäule mal wieder bewegt habe. Irgendwie war alles so leicht, so sanft und so geschmeidig. Für mich sehr ungewohnt aber gerade desshalb freue ich mich -wie andere auch- jetzt schon auf die zweite Stunde auf dem Weg zum Yogi.

Bleib auf dem Laufenden mit diesem RSS-Feed!